Südwestfalen, Regionale 2013, Westfälisches Auenzentrum

Westfälisches Auenzentrum Lippstadt


Die Regionale beschreibt ein Strukturförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen, das nunmehr im Turnus von drei Jahren einer jeweils ausgewählten Region die Möglichkeit bietet, sich mit wegweisenden Projekten zu präsentieren. Die erst in 2007 gegründete Region Südwestfalen konnte auf Anhieb mit ihrer gemeinsamen Bewerbung überzeugen und ist Ausrichter für das Jahr 2013. Mit der Regionale 2013 setzen sich alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Akteure in Südwestfalen das Ziel, gemeinsam den Herausforderungen der Globalisierung und des demografischen Wandels zu begegnen Die Stärkung einer der leistungsstärksten Industrieregionen in NRW, mit ihrer mittelständischen Wirtschaftsstruktur, steht dabei ebenso wie der Erhalt der Naturlandschaft im Fokus.

Alle Maßnahmen im Rahmen der Regionale Südwestfalen werden durch die Südwestfalen Agentur mit Sitz in Olpe vorbereitet und organisiert. In enger Abstimmung mit dem Regionale Netzwerk werden von hier aus alle Aktivitäten angestoßen und umgesetzt und der Qualifizierungsprozess der Projekte gesteuert.

Westfälisches Auenzentrum Lippstadt

Bildersammlung Auenzentrum
Bildersammlung Auenzentrum

Der REGIONALE-Ausschuss der Südwestfalen-Agentur hat im Juli 2009  für insgesamt 13 Projekte (Die ersten Projektideen  stehen Ihnen unterhalb im Bereich "Links zu dieser Seite" zur Verfügung) den ersten von drei Zertifizierungs-Sternen verliehen.

Auch die Stadt Lippstadt und die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz haben für ihr Projekt "Westfälisches Auenzentrum Lippstadt" den ersten Stern verliehen bekommen.  Mit der Soester Börde verfügt Südwestfalen über eine einzigartige Auenlandschaft entlang der Lippe. Nach umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen erstreckt sich heute - auf mehr als 1.000 Hektar - wieder ein Naturerlebnisraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Das vorbildliche Projekt zur Renaturierung des Auenlandes ist für Lippstadt Ausgangspunkt für eine Projektidee, die die Einrichtung und öffentliche Nutzung eines "Kompetenzzentrums für Fluss und Aue" vorsieht. Ein Projekt, das sowohl in die Region wie auch über die Region hinaus Wirkung entfaltet und das Ziel des Landes NRW, konsequente Renaturierung entlang der Lippe durchzuführen, weiter verfolgt.  Das Westfälische Auenzentrum soll sich jedoch nicht allein an Touristen oder Schulklassen richten. Fachleute können sich hier über die Synergien von Naturschutz, Tourismus und Wasserwirtschaft austauschen. Als Standort hat die Stadt Lippstadt eine erhöhte Fläche direkt auf der Terrassenkante am ehemaligen Tiergarten-Gelände an der Lippeaue bereitgestellt.

Der 2. Stern

Durch die Auszeichnung der Projektidee mit dem ersten Stern begann der weitere Qualifizierungsprozess durch die bestehende stadtinterne Arbeitsgruppe. Gemeinsam mit der Südwestfalen-Agentur und dem Regionalebeauftragten des Kreises Soest fand ein Statusgespräch bei der Bezirksregierung statt, um den weiteren Weg der Projektqualifizierung sowie die Förderperspektiven zu konkretisieren. Die Weiterentwicklung der Projektidee war auch Gegenstand von Beratungen der Südwestfalen-Agentur mit dem MUNLV im September 2009. Mit der Durchführung eines ganztägigen Workshops in Lippstadt wurde das Projekt potenziellen Partnern und Förderern vorgestellt und  mit Fachleuten und anderen bedeutenden Akteuren verschiedener Bereiche intensiv inhaltlich und organisatorisch diskutiert.

Auf der Grundlage des Ergebnisses des Workshops und weiterer Fachgespräche reichte die Stadt Lippstadt im Februar 2010 eine umfangreiche Bewerbungsmappe mit dem Antrag auf den 2. Stern bei der Südwestfalen Agentur ein.

Die Bewerbung umfasste Aussagen zu den entwickelten Projektbausteinen (Kompetenzzentrum, Gästehaus, Touristik), den Zielgruppen und zum organisatorischen Dach "Initiativkreis".

Im April 2010 zeichnete der REGIONALE-Ausschuss der Südwestfalen-Agentur das Westfälische Auenzentrum mit dem 2. Stern aus.

Projekt "Westf. Auenzentrum Lippstadt" findet keine Fortsetzung


Das Lippstädter Auenzentrum ist Geschichte...

Mit Beschluss vom 12.12.2016 hat sich der Rat der Stadt Lippstadt im Rahmen der Investitionsplanung 2025 mehrheitlich dafür ausgesprochen, das Projekt Auenzentrum zu beenden. Keine Kapitulation, sondern eine bewusst konsequent getroffene Entscheidung.   In einem sehr zeitintensiven und zielorientierten Prozess, im Rahmen dessen neben dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW zahlreiche Partner unterstützend mitwirkten, wurde leider absehbar,  dass eine nachhaltige Finanzierung und Organisation eines so umfangreichen Projektes nicht ohne weiteres "aus dem Ärmel zu schütteln" ist.   Ein multifunktionaler, weit über die Grenzen Lippstadt's hinausgehender Frequenzbringer, das (sternenprämierte) Auenzentrum musste sich in der Vergangenheit vielen Herausforderungen stellen. Doch welche Alleinstellungsmerkmale nahm das Projekt für sich in Anspruch? Wie gestaltete sich der Weg von der Idee bis zur endgültigen Absage...?  


LEITMOTIV
In den letzten Jahrzehnten hat im Umgang mit den Fließgewässern, gerade in NRW, ein deutliches Umdenken eingesetzt. Dies ist sicherlich auch die  Folge extremer Hochwasser, des Zusammenbruchs ganzer Ökosysteme oder des Verschwindens artenreicher Auenwälder. Nur 10 % der Gewässer in NRW werden ein „guter ökologischer Zustand" attestiert. Das Umdenken im Umgang mit den Fließgewässern findet seinen Ausdruck in umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen. Mit dem Programm "Lebendige Gewässer" verfolgt das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen das Ziel, die ökologischen Potenziale der Gewässer zu entwickeln.   Mit der Renaturierung der Lippe entsteht in der Region Südwestfalen eine dieser seltenen und faszinierenden Auenlandschaften auf einem Gebiet von mehr als 1.000 Hektar. Das Ergebnis ist eine beeindruckende naturnahe Kulturlandschaft in direkter Nachbarschaft zur Altstadt von Lippstadt. Die Lippeaue präsentiert sich mit einer neuen Artenvielfalt, neuen naturräumlichen Besonderheiten, einem hohen Naherholungswert, einer überregionalen touristischen Strahlkraft und vor allem mit dem Wissensvorsprung eines Modellvorhabens.   Bis zum heutigen Tag gibt es landes-, deutschland- und europaweit jedoch nur wenige Projekte, in  denen  ein  derartiger Prozess der nachhaltigen Regionalentwicklung (Renaturierung und deren Folgen) in verschiedenen Entwicklungsstufen anschaulich dargestellt und vor allem erlebt werden kann. Zudem fehlen Orte der raumübergreifenden fachlichen Vernetzung und Diskussion, die die Erfahrung anderer Projekte einbinden können.   Demgegenüber  stehen eine Vielzahl von Renaturierungsvorhaben, die aus einem umfangreichen Erfahrungsschatz profitieren könnten, eine Fachwelt, die Dialogplattformen und Netzwerke benötigt und eine Bevölkerung, die den Bezug zu ihrer direkten Umwelt und naturräumlichen Zusammenhängen mehr und mehr zu verlieren droht.


LEUCHTTURMPROJEKT
Als Antwort und "logische Konsequenz" der oben beschriebenen Situation hat die Stadt Lippstadt mit Unterstützung zahlreicher Partner bereits vor Jahren das Konzept "Auenzentrum Lippstadt" entwickelt...   Erklärtes Ziel war es, in einer baulichen und räumlichen Einheit einen landesweit einzigartigen Lern- und Erlebnisort entstehen zu lassen.   1.  Kompetenzzentrum: Interaktives Informations- und Bildungszentrum zum Leitthema: „Lebendige Gewässer"   2. Gästehaus: Übernachtungseinheit mit dem Leitthema: „Wasser-Geschichte(n)" (in privater Investition und Trägerschaft)   3. Touristische Angebotswelt: Leitthema: „Wasser-Welten"   In seiner grundsätzlichen Ausrichtung sollte das „Auenzentrum" drei zentrale Fragestellungen beantworten:   §  Wie kann das Erfahrungswissen des Projektes „Renaturierungsmaßnahme Lippe" im Rahmen eines Best-Practice-Transfers anschaulich aufbereitet und der Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden? Welche weiteren Projekte können in ähnlicher Weise das Wissen im Sinne der „lebendigen Gewässer" erweitern? §  Wie können beeindruckende naturräumliche Veränderungsprozesse in Fließgewässern präsentiert und erlebbar gemacht werden? Wie können Bevölkerung und Nutzer für diese Veränderungsprozesse gewonnen werden? §  Wie können die touristischen Potenziale des neu gewonnenen Landschaftsraumes der Lippeauen naturverträglich gehoben, sichtbar verortet und mit Angeboten aus der Region nachhaltig vernetzt werden? Danach sollte das Auenzentrum Lippstadt in direkter Nachbarschaft zur Lippstädter Altstadt den faszinierenden Prozess der Renaturierung der Lippe dokumentieren, präsentieren, erlebbar machen und sich damit als Fixpunkt auf der fachlichen und touristischen Landkarte in NRW etablieren.   Das Auenzentrum sollte zudem ein Ort sein, an dem das Landesprogramm „Lebendige Gewässer" an konkreten Beispielen aus ganz NRW vermittelt werden kann. Dabei spielten neben fachlichen Aspekten vor allem die Themen Kommunikation mit der Öffentlichkeit, Umgang mit Nutzungskonflikten, Synergien zwischen Gewässerentwicklung, Hochwasserschutz und Naturschutz eine bedeutende Rolle.   Unter stadtentwicklungspolitischer Betrachtung hatte das Projekt große Bedeutung für die Zentralität der Stadt Lippstadt. Das Auenzentrum sollte die touristischen Ansatzpunkte stärken und weitere Potentiale für die Stadtentwicklung fördern. Wesentlicher Faktor für diese positiven Entwicklungs-Szenarien bildete auch das geplante Gästehaus.


PROJEKTABSCHLUSS
Am 21. Februar 2017 hat Herr Bürgermeister Sommer alle am Projekt beteiligten Akteure darüber informiert, dass die Planungen für das Leuchtturmprojekt "Westf. Auenzentrum Lippstadt" bedauerlicherweise nicht weiter verfolgt werden:

"In den letzten Jahren haben wir sehr intensiv miteinander darum gerungen, das Projekt Auenzentrum auf inhaltlich nachhaltige und finanziell sichere Beine zu stellen. Dafür möchte ich mich heute auch bei Ihnen ganz ausdrücklich bedanken. Unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Projektentwicklung bis zu diesem hohen Qualitätsgrad geführt werden konnte.   Auch in der jüngsten Vergangenheit wurden in intensiven Gesprächen mit dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW noch einmal zahlreiche Modellrechnungen entwickelt. Dabei war die vielfältige Unterstützung von Ihnen und von zahlreichen anderen Partnern in Form von Zuschüssen und Förderungen eine ganz bedeutende Säule.   Trotz unseres gemeinsamen Engagements muss heute leider festgestellt werden, dass die bisher bereitstehenden Mittel nicht den finanziellen Notwendigkeiten entsprechen, um das Projekt Auenzentrum nachhaltig zu finanzieren.   Der Rat der Stadt Lippstadt hat daher, auch vor dem Hintergrund anderer, dringend erforderlicher Investitionsmaßnahmen, mehrheitlich das Projekt "Auenzentrum" aufgegeben.   Ich bedauere dies außerordentlich. Allen Beteiligten sage ich noch einmal vielen herzlichen Dank für die engagierte, vielfältige und großzügige Unterstützung."  

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Expose zum Auenzentrum      [pdf, 3.311,15 Kilobyte]