"Tag des offenen Denkmals" an der Lippe

Zum diesjährigen "Tag des offenen Denkmals" fürht am 12. September eine archäologische Exkursion in die Lippeauen

06.09.2010 -

„Tag des offenen Denkmals“ an der Lippe Zum diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ führt am 12. September eine archäologische Exkursion in die Lippeauen Lippstadt. Auch in diesem Jahr beteiligt sich die Stadt Lippstadt wieder am bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 12. September. Bereits zum 16. Mal bietet sich dann die Möglichkeit einen geschärften Blick auf einzelne Denkmäler in der Stadt zu werfen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat auch in diesem Jahr wieder ein Thema ausgesucht, unter dem die einzelnen Städte und Gemeinde ein passendes Objekt suchen, um es dann der Öffentlichkeit vorzustellen. In diesem Jahr lautet es: „Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr“.

In Lippstadt soll in diesem Jahr der Tag allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geben, sich über die Renaturierungsarbeiten an der Lippe zu informieren und dabei auch archäologische Schätze zu entdecken. Vertreter der Stadt Lippstadt, der Bezirksregierung Arnsberg und die Archäologin Maren Gaertner-Krohn werden im Rahmen einer Exkursion, nicht nur die Maßnahme erläutern, sondern auch eine Übersicht über historische Funde geben.

„Reisen, Handel und Verkehr - was läge da näher, als sich in Lippstadt einmal mit der Lippe auseinanderzusetzen“, so Dieter Mathmann von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Lippstadt zur diesjährigen Aktion. „Die Lippe wurde durch die Menschen von jeher als Transportweg, zur Energiegewinnung und auch zur täglichen Versorgung genutzt. Künstliche Parallelarme wurden geschaffen, um so die Gräben der Stadtbefestigung mit Wasser zu füllen.“ Auch der Schifffahrtskanal sei so notwendig geworden, um die Mühlenstandorte in der Innenstadt entlang der Lippe zu umfahren und so den Handel stromaufwärts per Schiff sicherzustellen, so der Denkmalschützer.

So veränderte die Lippe in den Jahrhunderten immer wieder ihr Gesicht. Siedlungsbereiche entwickelten sich direkt am Wasser, Stauwehre entstanden, massive Uferbefestigungen und begradigte Flussabschnitte verursachten weitgehende Eingriffe und Veränderungen in das einstmals natürliche Flusssystem. Seit Mitte der neunziger Jahre wird der Fluss nun abschnittsweise wieder renaturiert. Die „versteinten“ Uferbefestigungen werden entfernt, begradigte Flussabschnitte erhalten wieder ihre typischen Bögen und Mäander.

„Der Fluss kann sich jetzt wieder aus eigener Kraft entwickeln und so Lebensräume schaffen, die die vielen oft seltenen Pflanzen und Tiere unserer heimischen Flusslandschaften dringend benötigen“, so Alfred Volkmer von der Bezirksregierung Arnsberg, die die laufenden Baumaßnahmen entlang der Lippe betreut.

Was hat das nun alles mit Denkmalschutz und Baugeschichte zu tun? „Natürlich müssen Baumaßnahmen dieser Größenordnung auch archäologisch begleitet werden“, so Fritz Burghardt, Fachdienstleiter Bauordnung und Denkmalschutz. „Die Bereiche, in denen jetzt eingegriffen wird, sind archäologisch gesehen völlig unerforscht. Jetzt werden mit großen Baggern Grabungen bis zu einer Tiefe von vier Metern durchgeführt und damit die archäologisch interessanten Schichten freigelegt“, erläutert Mathmann.

Um in einem solchen Gelände während der Baumaßnahmen Besonderheiten im Boden zu erkennen, ist schon das geschulte Auge eines ausgebildeten Archäologen notwendig. Daher wird die Renaturierungsmaßnahme von der Archäologin Maren Gaertner-Krohn begleitet. Da die Lippe im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ihren Lauf verändert hat, ist in den Ablagerungen von Altarmen immer wieder etwas zu entdecken, was der Fluss vor hunderten von Jahren oder manchmal vor tausenden von Jahren dort transportiert hat. „Im vergangenen Jahr wurden mehrere hundert Scherben gefunden. Die grobe mit kleinen Steinen versetzte Keramik wurde früher zum Kochen und für die Vorratshaltung verwendet. Eisenzeitliche Töpfer fertigten diese vor über 2400 Jahren“, erläutert Archäologin Maren Gaertner-Krohn. „Die Scherben stammen von einer Siedlung unmittelbar flussaufwärts, vielleicht sogar direkt aus Lippstadt“, vermutet sie.

Auch aus dem Mittelalter finden sich an der Lippe Spuren der Menschen. So konnte im vergangenen Jahr ein kunstvoll gearbeiteter Beschlag gefunden werden, mit dem wahrscheinlich ein Schwertgurt verziert war. Untersuchungen ergaben, dass sich der Beschlag in die Zeit Karls des Großen, also in die zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts datieren lässt. Ein silberner Pfennig, der um 1200 in Soest geprägt wurde, konnte ebenso sichergestellt werden, wie Schiffsplanken, die aus der Zeit um 1600 stammen. Und es werden noch weitere Funde erwartet, die die Siedlungsgeschichte in und um Lippstadt weiter aufhellen.

 

Exkursion startet um14.00 Uhr

Start der archäologischen Exkursion ist am Sonntag, 12. September, um 14.00 Uhr auf dem Freibadparkplatz an der Bückeburger Straße. Von hier aus geht es fußläufig auf der Nordseite der Lippe entlang. Da der Lippeuferweg weitgehend befestigt ist, sind Gummistiefel für diese Exkursion nicht unbedingt nötig. Gleichwohl ist festes Schuhwerk sinnvoll. Die Exkursion wird an der Brücke am Hagedornsweg abschließen. Sollte es die Witterung zulassen, besteht dann eventuell noch die Möglichkeit über den Hellinghäuser Weg bis zur aktuellen Baustelle zu gehen, um diese einmal aus der Nähe zu betrachten.

Weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals finden sich unter www.tag-des-offenen-denkmals.de.

   Diese Seite drucken Drucken